Überblick
Der User-Test ist die wichtigste Methode der Usability-Forschung. Weil man echten Usern bei der Nutzung über die Schulter schaut, findet man die Usability-Probleme, die in der Praxis tatsächlich zu Fehlern führen. Nutzerbasierte Tests gelten deshalb als "Königsdisziplin" der Usability-Forschung. Methodenvergleichende Studien zeigen, dass Experten bei der sorgfältigen Analyse einer Anwendung zwar eine ganze Reihe von Usability-Problemen entdecken, alle Fehler finden sie jedoch nicht. Die Analyse eines erfahrenen Experten liefert also ein gutes, aber kein optimales Ergebnis. Ein bestmögliches Ergebnis erreicht man nur mithilfe von User-Tests.
Komplexe Anwendungen und Innovationen
In der Praxis muss man von Fall zu Fall entscheiden, welche Methode die geeignete ist. Die Antwort hängt vor allem von den folgenden drei Faktoren ab:
1. Dem zur Verfügung stehenden Budget:
User-Tests sind teurer als Experten-Analysen. Bei wenig komplexen Anwendungen ist der Erkenntnisgewinn, der durch einen User-Test erzielt wird, aber nur geringfügig größer als durch eine expertenbasierte Analyse. User-Tests eignen sich also vor allem für komplexe Anwendungen.
2. Dem Entwicklungsstadium der Anwendung:
Ein User-Test bringt bessere Erkenntnisse, wenn eine Anwendung schon stabil läuft und nicht mehr an Kinderkrankheiten leidet. Ist eine Anwendung noch nicht ausgereift, tun die User sich bei der Nutzung schwer und finden vor allem die Fehler, die auch ein Experte entdecken würde.
3. Dem aktuellen Forschungsstand:
Ein User-Test ist vor allem dann sinnvoll, wenn neue Ideen getestet werden sollen, über die noch keine gesicherten empirischen Erkenntnisse vorliegen. Zu zahlreichen Standardproblemen gibt es bereits veröffentlichte Forschungsarbeiten und eindeutige Lösungen. User-Tests kommen vor allem bei innovativen Ideen zum Einsatz.
Die fünf Phasen des User-Tests
Ein User-Test besteht meist aus fünf Phasen: (1) der Vorbereitung des Tests, (2) dem Rekrutieren der Testpersonen, (3) den eigentlichen Testsitzungen, (4) der Auswertung der erhobenen Daten sowie (5) der Kommunikation der Ergebnisse.
Die User-Tests bei //SEIBERT/MEDIA sind in der Regel aufgabenorientiert, d.h. die Probanden lösen beim Test mithilfe der Anwendung bestimmte Aufgaben. Alle Probleme, die sie bei der Erledigung haben, werden festgehalten und dokumentiert. Tests ohne Aufgabenstellung sind zwar möglich und manchmal auch sinnvoll, spielen in der Praxis aber nur eine untergeordnete Rolle. Mit ihnen wird die "Freude" bei der Benutzung einer Anwendung gemessen (Ease of Use).
Nähere Informationen zum Ablauf unserer User-Tests erhalten Sie hier.
Die Methode lauten Denkens
Beim User-Test kommt die sog. Methode des lauten Denkens zum Einsatz. Die User werden aufgefordert, während der Testsitzungen ihre Gedanken laut auszusprechen, die Anwendung also gewissermaßen zu kommentieren. Alles was ihnen positiv oder negativ auffällt, sprechen sie laut aus, dadurch erfährt man, wo die Stärken und Schwächen der Applikation liegen. Bereits während der Tests werden die wichtigsten Punkte notiert, außerdem wird eine Audioaufnahme jeder Testsitzung angefertigt, die anschließend ausgewertet werden kann.
Neben der Audioaufnahme werden auch zwei Videoaufnahmen angefertigt. Zum einen wird der Bildschirm des Testcomputers gefilmt (um die Aktionen der Probanden nachvollziehen zu können), zum anderen werden die Probanden selbst aufgenommen (um das Minenspiel und die Gestik analysieren zu können). In Kombination mit den personenspezifischen Daten aus der Vorbefragung (Alter, Geschlecht, Online-Erfahrung, etc.) und den applikationsspezifischen Daten aus der Nachbefragung (Fragen zu der Anwendung) entsteht so ein ganzheitliches Bild und die Mehrzahl der Usability-Probleme kann aufgedeckt werden.
Nähere Informationen zur von uns angewandten Methodik erhalten Sie hier.